
Göller, Thomas: Sprache, Literatur, kultureller Kontext
Studien zur Kulturwissenschaft und Literaturästhetik. Fünf Studien: 1. Kultureller Kontext und die Interpretation literarischer Texte; 2. Unsagbares und literarische Sprachwerdung. Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" als poetischer Text und poetologische Textreflexion; 3. Übersetzung, Fremdsprachlichkeit und Sinnverständigung; 4. Zur Logik des Kulturverstehens; 5. Menschenrechte als Bedingungen kultureller Pluralität.
Inwiefern ist der kulturelle Kontext für das Verstehen fremder Kulturen oder anderer Literaturen von Bedeutung? Was charakterisiert einen literarästhetischen Text und in welchem Verhältnis stehen Sagbares und Unsagbares? Welche sprachphilosophischen Probleme sind mit der Übersetzung aufgeworfen? Welche Relevanz hat die Logik für das Kulturverstehen und wie sind kulturrelativistische Einwände einzuschätzen? Sind die Menschenrechte Voraussetzungen für kulturellen Pluralismus? Die fünf interkulturell und interdisziplinären Studien des Bandes versuchen, auf diese Fragen zumindest im Umriss Antworten zu formulieren. Die fünf Studien in diesem Bande bewegen sich zwischen Fragestellungen, die kulturwissenschaftlich, literarästhetisch bzw. literaturwissenschaftlich, aber auch im engeren Sinne philosophisch sind: In einer Auseinandersetzung mit vor allem der so genannten "Interkulturellen Germanistik" diskutiert die erste Studie, ob die These vom 'Primat des Kontextes vor dem Text' für die Interpretation literarischer Texte richtig sein kann und was sich bei unterschiedlichen kulturellen Kontexten für die literaturwissenschaftliche Interpretationspraxis ergibt. Darüber zeigt die zweite Studie, dass das Verhältnis von Unsagbarem und literarischer Sprachwerdung, von poetischer Produktion und immanenter poetologischer Textreflexion auf die Möglichkeiten und Grenzen literarischer Sprachlichkeit als Thema der Literatur zumindest für F. Kafkas Landarzt-Prosa charakteristisch ist. Die dritte Studie skizziert, vor welche Probleme sich die - nicht nur - interlinguale Übersetzung gestellt sieht, worin sprachphilosophisch gesehen das Paradoxon der auch - fremdsprachlichen - Sinnverständigung besteht und inwiefern es sich bei ihr um einen (unabschließbaren) Prozess der Semiose handelt. Die vierte Studie geht dem Verhältnis von Logik, d.h. genauer den so genannten "logischen Grundprinzipien", und dem Kulturverstehen nach. Worin besteht möglicherweise der Zusammenhang zwischen beiden? Und was ist zu den nahe liegenden Einwänden zu sagen, die oft im interkulturellen Diskurs gegen die vermeintlich allgemeine, "transkulturelle" Gültigkeit (solcher) logischer Prinzipien vorgebracht werden? Die letzte, fünfte, Studie schließlich greift diese mit dem kulturellen Relativismus artikulierte Fragestellung gewissermaßen auf praktisch-philosophischer Ebene erneut auf und untersucht, ob Menschenrechte bloß eine kulturspezifische "westliche" Erscheinung sind. Oder aber, ob es tatsächlich "universale", d.h. allgemein gültige Menschenrechte für alle Menschen geben kann, die für alle Kulturen (gleich?) verbindlich seien können und die möglicherweise die Grundvoraussetzung für den kulturelle Pluralismus einer "interkulturellen Weltgesellschaft" bilden. 182 Seiten, broschiert (Königshausen & Neumann 2001)