
Steineck, Christian: Grundstrukturen mystischen Denkens
Steineck untersucht anhand von Meister Eckhart, Nikolaus von Kues, Jakob Böhme und zen-buddhistischen Mystikern deren Auffassung von einer Wahrheit, die rationale Normen übersteigt, vom Zugang zu dieser Wahrheit und von ihrem Verhältnis zu gewöhnlichen Formen von Wahrheit und Erkenntnis. - Es geht um die Frage nach der Möglichkeit einer rationale Normen übersteigenden, das heißt, sie zugleich auch einschließenden Wahrheit. Sie wird im Zusammenhang mystischen Denkens, das hier anhand von "klassischen" Beispielen aus dem Bereich der christlichen Mystik und des Zen-Buddhismus untersucht wird, philosophisch in besonderer Weise relevant, weil die dort in Verbindung mit direkten und prinzipiell allgemein zugänglichen Wegen zu erfahrenden Erkenntnis dieser Wahrheit behauptet wird, die also nicht als Anspruch einer transzendenten Macht zur Annahme im Glauben auffordert, sondern vielmehr durch eigene Vergewisserung des Menschen zu erreichen sein soll. Das Ziel der Analyse lässt sich mit dem Stichwort "kritische Rekonstruktion" umschreiben. Zunächst wird dargestellt, wie die behandelten Mystiker selbst die von ihnen intendierte Wahrheit auffassen, wie sie den Zugang zu ihr beschreiben, wie sie ihr Verhältnis zu den gewöhnlichen Formen von Wahrheit und Erkenntnis beurteilen und begründen, sowie - zumindest ansatzweise - welches Bild der Wirklichkeit und des Menschen sie dabei entwickeln. Den Untersuchungen der verschiedenen mystischen Positionen gehen als Einleitung noch Überlegungen zum Begriff der Mystik im Rahmen einer kurzen Auseinandersetzung mit repräsentativen Beispielen ihrer philosophischen Rezeption bzw. Aufarbeitung voraus. - Der erste Teil der Arbeit widmet sich der Analyse von drei zentralen Denkern aus dem Bereich der christlichen Mystik, nämlich Meister Eckhart, Nikolaus von Kues und Jakob Böhme. Im zweiten Teil werden grundlegende Vorstellungen aus dem Bereich zen-buddhistischer Mystik erörtert. Für die Auswahl dieses Vergleichsgegenstandes war inhaltlich ausschlaggebend, dass damit eine Form mystischen Denkens repräsentiert ist, deren religiös-weltanschaulicher Ausgangspunkt sich in der dezidierten Zurückweisung der Vorstellung eines transzendenten Gottes und der Ablehnung aller den Bereich menschlicher Erfahrung überschreitenden Fragestellungen von dem der christlichen Mystik radikal unterscheidet. 289 Seiten, broschiert (Epistemata. Reihe Philosophie; Band 272/Königshausen & Neumann 2000) leichte Lagerspuren